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Vorträge und Workshops
Neurobiologische Modelle von Dissoziation und sekundärer Traumatisierung
Vortrag mit Gespräch A1
Freitag, 17.06.2011, 14.30 Uhr
Dr. Judith Daniels, Hamburg
Neuere Studien zu Sekundärer Traumatisierung haben zeigen können, dass eine "Übertragung" der Belastung auf die Behandelnden nicht selten ist. Auf der Basis neurophysiologischer Modelle der Sekundären Traumatisierung werden mögliche Übertragungswege beschrieben und Ableitungen für die Prävention der Sekundären Traumatisierung diskutiert. Dabei wird die These vertreten, dass Sekundärtraumatisierung durch die dissoziative Verarbeitung von Traumamaterial seitens der TherapeutInnen/BeraterInnen ausgelöst wird. Dissoziative Verarbeitung zeigt sich z.B. in emotionaler Taubheit oder einer veränderten Zeitwahrnehmung während der Konfrontation mit Traumamaterial. Das eigene Handeln wird als automatisiert, wie auf Autopilot, erlebt, während die äußere Welt unreal oder traumähnlich erscheint. Vorgestellt werden Ergebnisse dreier Studien zu Sekundärer Traumatisierung.
Frauen und Männer im Umgang mit Sekundärer Traumatisierung – Was ist anders?
Workshop A2
Freitag, 17.06.2011, 14.30 Uhr
Gerhilt Haak, Freiburg und Matthias Nitsch, Düsseldorf
Gibt es Unterschiede in den Auswirkungen und dem Umgang mit Sekundärer Traumatisierung zwischen Frauen und Männern?
Da es bis jetzt keine Untersuchungen darüber gibt, wollen wir dieser doch sehr relevanten Frage im Workshop nachgehen und den Diskurs über geschlechterdifferenzierte Aspekte und Perspektiven eröffnen in Bezug auf:
- Auswirkungen von indirekter Traumatisierung
- Unterschiedliche Gefahrenpotentiale und Umgangsweisen (auch in systemischen Kontexten).
- Reaktions- und Umgangsweisen mit den Folgen von indirekter Traumatisierung
- Ressourcen von Männern und Frauen (evtl. auch gesellschaftlich zugewiesenermaßen) im Umgang mit Sekundärer Traumatisierung
- "Männliche und weibliche Selbst-(für)sorge"
"Indirekte Traumatisierung in Seelsorge und Kirche - Einblicke in Dynamiken und Anforderungen an supervisorisches Handeln
Workshop A3
Freitag, 17.06.2011, 14.30 Uhr
Ewald Epping, München und Renate Schmieder, Bremen
Im vergangenen Jahr hat sich vor allem die kath. Kirche mit zahlreichen Fällen sexueller Übergriffe und körperlicher Gewalt konfrontiert gesehen, die eine Aufarbeitung auf verschiedenen Ebenen erfordern. In diesem Workshop gehen wir der Frage nach, wo und wie sich Symptome indirekter Traumatisierung in Seelsorge und Kirche zeigen. Wir suchen nach den "Themen hinter dem Thema" und beschäftigen uns mit einigen relevanten Aspekten: Aufrechterhalten und Auflösen von Grenzen, Vertrauen/Misstrauen in Arbeitsbeziehungen, Macht/Ohnmacht in Institutionen.
In einem gemeinsamen Klärungsprozess gehen wir von den Erfahrungen und Fragen der TeilnehmerInnen aus und beleuchten auch Tabus und ideologische Besonderheiten im Raum Kirche und Seelsorge. Wir entwickeln miteinander Hypothesen zu den Anforderungen an gelingende Arbeitsbeziehungen sowie supervisorisches Handeln im Umgang mit dem Phänomen indirekter Traumatisierung. An manche Antworten schließen sich bestimmt neue Fragen an, die wiederum in der Praxis vor Ort überprüft werden müssen.
Wenn Kollegen und Familien mitleiden - Systemische Perspektiven der Sekundären Traumatisierung bei Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten
Workshop A4
Freitag, 17.06.2011, 14.30 Uhr
Alexander Korittko, Hannover
Frauen und Männer aus den Berufsgruppen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste müssen mit einem besonders hohen Risiko primärer Traumatisierung umgehen. Sie haben Berufskolleginnen und Kollegen, Vorgesetze, Freunde und Familienangehörige, die Ihnen emotional nahe sind. Entwickelt einer der primär Belasteten eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), ist es nicht unwahrscheinlich, dass durch einen systemischen Übersprungseffekt die Menschen, die mit ihnen arbeiten und leben, sich "emotional anstecken" können und bei ihnen ein so genanntes Mitgefühlserschöpfungssyndrom auftritt (Compassion Fatigue). Ein solcher sekundärer traumatischer Stress kann die gleichen Symptome beinhalten, wie eine PTBS: Wiedererleben des traumatischen Ereignisses, Unterdrücken von Erinnerungen und anhaltende starke körperliche Erregung. In diesem Workshop sollen die systemischen Auswirkungen einer sekundären Traumatisierung vorgestellt werden. Es sollen aber auch die heilenden Ressourcen in Peergruppen und Familien vorgestellt werden, sowie hilfreiche Interventionen von außen.
Auf die Haltung kommt es an! Haltung als Schutz vor indirekter Traumatisierung in der Kinder- und Jugendhilfe
Workshop A5
Freitag, 17.06.2011, 14.30 Uhr
Prof. Dr. Silke Gahleitner, Berlin, Maria Krautkrämer-Oberhoff, Münster und Sigrid Richter-Unger, Berlin
In der Kinder- und Jugendhilfe sind psychosoziale Fachkräfte zunehmend mit komplex traumatisierten KlientInnen aus multiproblembelasteten Familien konfrontiert. Eine innere Grundhaltung und informierte Arbeitshaltung, die darauf eingestellt ist, was im Umgang mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen und Familien an Schwierigkeiten auftreten kann und was an Rückhalt und Gegenstrategien zur Verfügung steht, kann helfen, Überforderungen zu vermeiden. Dazu gehört ein authentischer Bezug zu sich selbst, den eigenen Grenzen sowie biographischen Stärken und Schwächen ebenso wie ein stützender Team- und Supervisionszusammenhang, jedoch auch eine Kultur des lebenslangen gemeinsamen Lernens und Auseinandersetzens mit neuen Erkenntnissen. In einer Atmosphäre, in der Fachkräfte innerhalb von Teamzusammenhängen angemessen auf diese Weise für sich sorgen, fachlich gesorgt haben und Freude am Arbeitsgebiet haben, lassen sich dann auch kollegial Entlastungsgesten, -absprachen einrichten und zu punktuellem Aufatmen in Extremsituationen zur Verfügung stellen. Im Workshop sollen dazu Ideen eingebracht, jedoch vor allem auch gemeinsam diskutiert werden.
Strukturelle Ursachen von Helferbelastung
Workshop B1
Freitag, 17.06.2011, 16.30 Uhr
Ton Haans, Nijmegen und Prof. Dr. Christian Pross, Berlin
In einer qualitativen Studie über 13 Traumazentren in 8 verschiedenen Ländern wurde der Zusammenhang von arbeitsbezogenem Stress und Teamkonflikten mit der Organisationsstruktur untersucht. Dazu wurden 72 Helfer interviewt sowie externe Organisationsanalysen ausgewertet. Die Merkmale von Einrichtungen mit hohem und mit niedrigem Stress- und Konfliktpegel wurden miteinander verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass Einrichtungen mit einem hohen Stress- und Konfliktpegel erhebliche Strukturmängel aufweisen und ein Klima, in dem traumatische Inhalte aus der Welt der Klienten reinszeniert werden.
Die chaotische, unstrukturierte, unberechenbare Innenwelt der Einrichtung spiegelt die völlige Abwesenheit von Struktur, die das Opfer erlebt, wenn es der Willkür des Täters ausgeliefert ist. Die Ursachen für den hohen Stress- und Konfliktpegels in solchen Zentren sind Selbstausbeutung, Workaholismus, fehlende Einhaltung von Grenzen, Fehlen eines professionellen Managements und einer klaren Leitungsstruktur, Rollen- und Kompetenzdiffusion, keine oder nur sporadische Supervision sowie Vermischung der Ebenen von Personal, Leitung und Vorstand. Organisationen mit einem niedrigen Stress- und Konfliktpegel hatten eine deutliche klarere Struktur, regelmäßige Supervision, ein professionelles Management etc.
Die Studie macht deutlich, dass Strukturmängel eine wesentliche Ursache von arbeitsbezogenem Stress und Teamkonflikten in Traumazentren sind. Helfer in Einrichtungen mit Strukturmängeln zeigen Symptome, die von anderen Autoren als sekundäre Traumatisierung beschrieben werden. Jedoch verringern sich diese Symptome nach einer gelungenen Strukturreform. Es stellte sich heraus, dass Helfer in gut strukturierten Einrichtungen nahezu keine derartigen Symptome zeigen.
Demnach sind die Stressphänomene meistens kein Zeichen einer von den Patienten auf die Helfer übertragenen "sekundären Traumatisierung" sondern einer mangelhaften Arbeitsorganisation, welche typisch ist für die Pionierphase von karitativen Non-Profit-Organisationen. Anhand von zahlreichen Beispielen wird gezeigt, wie sich durch Reformen im Rahmen von Supervision und Organisationsberatung das Arbeitsklima, die Selbstfürsorge der Helfer sowie die Qualität der Patientenversorgung deutlich verbessern lassen.
Literatur:
Lansen J (1996): Was tut "es" mit uns? In: Graessner S, Gurris N, Pross C (Hrsg.) Folter – an der Seite der Überlebenden. Unterstützung und Therapien. München: C. H. Beck, S. 253 – 270
Lansen J (2003) Gefühle und Belastungen in der Arbeit mit Schoa-Opfern und anderen Traumatisierten. In: Rossberg A, Lansen J (Hrsg.) Das Schweigen brechen. Berliner Lektionen zu Spätfolgen der Schoa. Frankfurt a.M.: Peter Lang, S. 269-290
Lansen J, Haans A H M (2004) Clinical Supervision. In: Wilson JP & Drozdek B (Eds.)
Broken Spirits. Philadelphia: Brunner-Routledge, pp. 317-353
Pross C (2006) Burnout, Vicarious Traumatization and its Prevention. Torture 16: 1-9
Pross C (2009) Verletzte Helfer – Umgang mit dem Trauma: Risiken und Möglichkeiten sich zu schützen. Klett-Cotta Verlag Stuttgart
Pross C, Schweitzer S (2010) The Culture of Organisations Dealing with Trauma - Sources of Work related Stress and Conflict. Traumatology: Special Issue on Culture and Trauma: Conceptual and Practical Considerations (erscheint im Dezember 2010)
Indirekte Traumatisierung im Beratungskontext mit Frauen und Mädchen, die sexuelle Gewalt erlebt haben
Workshop B2
Freitag, 17.06.2011, 16.30 Uhr
Maria Steiner, Augsburg und Marie-Luise Stöger, Stuttgart
BeraterInnen werden im Beratungsalltag, wenn KlientInnen von ihren Erfahrungen berichten, mit unglaublichen, irritierenden bis hin zu brutalsten Formen von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch konfrontiert. Dabei kann es sich sowohl um Erfahrungen in persönlichen Beziehungen als auch im Umgang mit Behörden, Kliniken oder anderen "hilfreichen" Personen handeln.
Nicht selten stehen wir als BeraterInnen fassungslos vor der Wucht dieser Ereignisse. Dies kann Gefühle, wie Hilflosigkeit oder Erstarrung hervorrufen - kann traumatisierend wirken. Ohnmacht kann ansteckend werden.
Sorgsamer Umgang mit dem berichteten Material, mit der eigenen Person und ein gezielt abgrenzender und eingrenzender Arbeitsstil helfen der "Sekundär"traumatisierung vorzubeugen. Strukturelle Ebene und Arbeitsbedingungen werden darauf hin untersucht, wie und wo sie Machtmissbrauch und Sekundärtraumatisierung begünstigen.
Der Workshop zeigt praxiserprobte Strategien und Vorgehensweisen und lässt Raum für Übungen und Fragen.
Indirekte Traumatisierung in der stationäre Traumatherapie: Gefährdungen und Chancen für die BehandlerInnen
Vortrag mit Gespräch B3
Freitag, 17.06.2011, 16.30 Uhr
Dr. med. Gabriele Fröhlich-Gildhoff, Bad Wildungen
In spezialisierten stationären Abteilungen für die Behandlung traumatisierter Patientinnen und Patienten sind die TherapeutInnen aufgrund der vielfältigen Gewaltgeschichten in besondere Weise gefährdet, indirekt traumatisiert zu werden. In dem Vortrag sollen unterstützende Möglichkeiten von institutioneller Seite, aus Teamsicht und aus der individuellen MitarbeiterInnensicht dargestellt werden, um als BehandlerIn gesund und wirksam zu bleiben und die Freude an der Arbeit zu erhalten.
Literaturhinweise:
Christian Pross (2009): Verletzte Helfer. Stuttgart: Klett-Cotta
B. Hudnall Stamm (2002): Sekundäre Traumafolgestörungen. Paderborn: Junfermann
Indirekte Traumatisierung im Kontext von Migration, Flucht und Asyl
Workshop B4
Freitag, 17.06.2011, 16.30 Uhr
Dorothea Zimmermann, Berlin
Das professionelle Handeln in diesem Kontext birgt die Gefahr einer indirekten Traumatisierung auf verschiedenen Ebenen. Zum einen übersteigt das Ausmaß der Gewalt und der sequentiellen Traumatisierung, mit denen uns die KlientInnen konfrontieren und zur ZeugInnenschaft verpflichten, z.T. die bisherige Erfahrung der "man-made Traumata". Zum anderen kann der strukturelle Rassismus in der Gesellschaft unsere Arbeit erschweren, bzw. massiv begrenzen, so dass sich eine besondere Belastung aus der Gradwanderung zwischen Identifizierung im Kampf gegen die Strukturen, angemessener Unterstützung und Rückzug auf die therapeutische Unterstützung ergibt. Besonders erschwert wird diese Balance in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
In dem Workshop wird es um die Konsequenzen für das professionelle Handeln in den verschiedenen Arbeitsfeldern der TeilnehmerInnen gehen.
Gewalterfahrungen im Polizeidienst: Phänomenologie, Coping und Traumatisierungsdispositionen
Workshop B5
Freitag, 17.06.2011, 16.30 Uhr
Prof. Dr. Rafael Behr, Hamburg
Gewalterfahrungen und andere "existenzielle Fragen" gehören zum Möglichkeits- und Erwartbarkeitshorizont im Polizeidienst. Die konkreten Erlebnisse können nicht antizipiert werden, und es ist fraglich, ob deren Wirkung auf die Akteure eher durch professionelle Intervention oder eher durch "kulturelle Praktiken", wie sie sich in Gefahrengemeinschaften herausbilden, gelindert wird. In meinem Beitrag gebe ich einen Einblick in mögliche Traumatisierungsdispositive im Polizeialltag sowie in Deutungs- und Copingstrategien der sog. "Polizistenkultur" (Cop Culture).
Supervision im traumatherapeutischen Arbeitsfeld
Workshop C1
Samstag, 18.06.2011, 9.15 Uhr
Nora Balke, Berlin und Ton Haans, Nijmegen
Die Behandlung von durch Krieg, Verfolgung, Folter und Missbrauch traumatisierten Menschen kann sehr kompliziert und emotional belastend sein. Die Spannungen zeigen sich in Problemen mit der Übertragung und Gegenübertragung, in Schwierigkeiten mit der Rolle des Helfers/Therapeuten, in Stressphänomenen und in Konflikten innerhalb eines Behandlungsteams. Die genannten Phänomene sind auch bei erfahrenen Kollegen zu beobachten, die über eine fundierte Weiterbildung und Kenntnisse auf diesem Gebiet verfügen. Deshalb sollte eine begleitende traumaspezifische Supervision für alle in diesem Gebiet Standard sein, zumal die allgemein üblichen Methoden der Supervision nicht ohne Weiteres anwendbar sind.
Hier hat sich die strukturierte Fallsupervisionsmethode nach Lansen/Haans bewährt. Die Supervisoren arbeiten dabei mit Identifikationsrunden, in denen sich die Mitglieder einer Helfer/Supervisanden-Gruppe mit relevanten Aspekten des präsentierten Falles identifizieren (mit der Rolle des Klienten und des Therapeuten). Das gibt einen klaren Rahmen vor und bindet alle Teilnehmer gleichermaßen in den Supervisionsprozess mit ein. In der gemeinsamen Reflexion eröffnen sich neue Perspektiven auf die Arbeit der Helfer/Supervisanden und die Betreuung der Klienten und die Problemlösungspotentiale jedes einzelnen Gruppenmitgliedes werden mobilisiert. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe oder extreme Zustände des Klienten sind Aspekte des Andersseins, die für Helfer belastend und bedrohlich sein können. Durch die klare Struktur des Supervisionsprozesses können die Belastung und Bedrohlichkeit reduziert, Grenzüberschreitungen verhindert und die Probleme können leichter angesprochen werden.
Somit beugt die Supervision einem sekundären Helfer-Trauma vor und aktiviert deren Selbstfürsorge.
Literatur:
Haans T, Lansen J, Ten Brummelhuis H (2007) Clinical supervision and culture: a challenge in the treatment of persons traumatized by persecution and violence. In: Wilson, J. & Drozdek, B: Voices of Trauma Across Cultures: Treatment of Posttraumatic States in Global Perspective. Berlin: Springer, 339-366
Haans T, Lansen J, Balke N, Pross C (2010) Supervision in unterschiedlichen Kulturen- eine Herausforderung für Behandler von Menschen, die durch Verfolgung und Gewalt traumatisiert sind. In: MACHLEIDT, W., HEINZ, A. (Hg.) Praxis der interkulturellen Psychiatrie und Psychotherapie. Migration und psychische Gesundheit. Urban und Fischer Verlag, Elsevier (in press)
Lansen J, Haans T (2004). Clinical Supervision. In Wilson J, Drozdek B (Eds) Broken Spirits. Phildelphia: Bruner/Mazel, 317-353
Umgang mit Erschöpfung und Burn out im Kontext von sexualisierter Kriegsgewalt
Vortrag und praktische Übungen C2
Samstag, 18.06.2011, 9.15 Uhr
Maria Zemp, Euskirchen
Durch den Aufbau von Projekten in Konfliktregionen unterstützt die Kölner Frauenrechts- und Hilfsorganisation medica mondiale Frauen, die sexualisierte Kriegsgewalt erlebt haben, ihre Erfahrungen zu verarbeiten, ihre Würde wieder zu erlangen und zurück ins Leben zu finden.
Diese Arbeit kann von den Mitarbeiterinnen nur erfolgreich gemacht werden, wenn sie von entsprechenden Konzepten der Selbstfürsorge und einer Kultur der Achtsamkeit in der Organisation begleitet wird.
Die Arbeit in Konfliktregionen ist zudem gekennzeichnet von mangelnden Ressourcen, Instabilität und der täglichen Herausforderung, die Grundbedürfnisse der Familie an Nahrung, Wasser, Strom zu sichern. Welche spezifischen Ressourcen und besonderen Herausforderungen das professionelle Handeln in diesen Kontexten erfordert, wird im Vortrag dargestellt werden.
Aus der langjährigen Erfahrung in der Arbeit mit traumatisierten Frauen in Kriegs- und Krisengebieten hat medica mondiale Methoden zur Entlastung von Compassion fatigue (Mitgefühlserschöpfung) und zur Burnout Prophylaxe entwickelt. Im Workshop werden einige dieser kulturspezifischen, oder sich an den örtlich vorhandenen Ressourcen orientierenden Methoden vorgestellt und ihre Anwendung im Kontext von sexualisierte Kriegsgewalt anhand exemplarischer Beispiele diskutiert.
Schule als sicherer Ort? – Strukturelle und pädagogische Hilfen für Lehrkräfte im Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen
Vortrag mit Gespräch C3
Samstag, 18.06.2011, 9.15 Uhr
Christine Bick, Marburg
Grundlage der schulischen Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen ist ein verlässlicher pädagogischer Rahmen, der äußere Sicherheit, klare Strukturen, Vertrauen, Orientierung und Halt bietet.
Da Kinder mit posttraumatischen Belastungsstörungen durch ihr im doppelten Sinne "unerhörtes" Verhalten Lehrkräfte und Bezugspersonen immer wieder an Verstehens- und Handlungsgrenzen bringen, kann Stress entstehen, der schnell SchülerInnen wie LehrerInnen überfordert und schlimmstenfalls zu eskalierendem Fehlverhalten führt.
Ein schulisches Konzept, das zugeschnitten ist auf die spezifischen Erfordernisse traumaorientierten Unterrichts zeigt, was Kinder brauchen, um psychisch stabilisiert zu werden und was Lehrkräfte benötigen, um psychisch stabil zu bleiben und nicht durch Sekundärtraumatisierungen gefährdet zu werden.
Belastungen für Dolmetscher in psychiatrischen und psychotherapeutischen Gesprächen - Möglichkeiten des Umgangs und Schutzes vor indirekter Traumatisierung
Workshop C4
Samstag, 18.06.2011, 9.15 Uhr
Marit Cremer, Berlin und Claudia Kruse, Berlin
Die Beratung und Behandlung von MigrantInnen und traumatisierten Flüchtlingen stellt PsychotherapeutInnen, SozialarbeiterInnen und ÄrztInnen vor die Herausforderung einer transkulturellen Behandlungssituation. Die Einbeziehung von DolmetscherInnen, die zumeist nicht über eine Ausbildung im psychosozialen Bereich verfügen, ist bei diesen Personengruppen Grundvoraussetzung, um Beratungen und Behandlungen durchführen zu können. Die sinngetreue Sprachvermittlung, insbesondere traumatischer Inhalte von Kriegserlebnissen oder erlittener Haft und Folter sowie bei suizidalen Patienten, birgt das Risiko von indirekter Traumatisierung der beteiligten DolmetscherInnen. Wie kann ein professionelles und funktionsfähiges Behandlungssetting gestaltet werden, um das Risiko der Sekundärtraumatisierung der beteiligten DolmetscherInnen zu minimieren?
Praktische Anleitungen sollen dieses spezielle setting mit seinen Belastungen erfahrbar machen und Methoden vermitteln, die Schutz vor einer indirekten Traumatisierung bieten. Die Referentinnen beziehen sich auf jahrelange Erfahrungen mit traumatisierten Flüchtlingen und möchten in diesem Workshop praxisrelevante Aspekte in den Vordergrund stellen.
Die traumatisierte Institution – Der Mythos eines sicheren Hafens
Workshop C5
Samstag, 18.06.2011, 9.15 Uhr
Reinhild Schweer, Köln
Traumatische Vorfälle in einer Einrichtung werden geleugnet (z.B. MitarbeiterInnen haben Kinder missbraucht) Institutionelle Ohnmacht und Handlungsunfähigkeit können die Folge sein. Was bisher Sicherheit und Zugehörigkeit versprach bricht zusammen. Bisheriges Krisenmanagement und die Balance zwischen Person – Beziehung – Organisation - Strategie funktionieren nicht mehr. Fakten werden nur noch selektiv wahrgenommen (institutionelle Dissoziation)
Der Begriff "die traumatisierte Institution" ist jedoch keinesfalls inflationär zu verwenden; denn stabile Institutionen können durchaus handlungsfähig bleiben, wenn Traumatisierungen in Teilsystemen zu beobachten sind…
In meinem Workshop lade ich Sie zu einer Reise in traumatisierte Institutionen ein. Mit Unterstützung kreativer Zugänge biete ich erste mögliche Schritte im Umgang mit Orientierungskrisen. Ziel ist es, gemeinsam professionelles und kreatives Handwerkszeug für stabilitätsfördernde Zugänge zu finden. Alle Beteiligten werden mit ihren Ressourcen einbezogen. Ich verstehe mich als Begleiterin der Reise, biete Impulse und Hinweise für weitere Konflikt- und Differenzierungsphasen...
s.a. Lahad, Mooli: Creative Supervision – The Use of Expressive Art Methods in Supervision and Self Supervision. London 2000
Praktische Ideen zur Selbstfürsorge in Therapie und Beratung
Workshop D1
Samstag, 18.06.2011, 11.30 Uhr
Oliver Schubbe, Berlin
Theoretisch wissen wir gut, wie wichtig Selbstfürsorge in Therapie und Beratung ist. Wenn wir mehr Geld hätten oder unser Arbeitgeber besser für uns sorgen würde, könnten wir weniger arbeiten und stattdessen mehr Urlaubs- und Wellnessangebote nutzen. In diesem Workshop geht es um das Kennenlernen und Ausprobieren praktischer Ideen, die weder Zeit noch Geld kosten und in der normalen Arbeitszeit innerhalb und zwischen den Sitzungen eingesetzt werden können.
Traumatisierung von Einsatzkräften in der Gefahrenabwehr – Forschungsstand und Versorgungsstrukturen in Deutschland
Vortrag mit Diskussion D2
Samstag, 18.06.2011, 11.30 Uhr
Prof. Dr. Irmtraud Beerlage, Magdeburg
Dieser Vortrag muss aus gesundheitlichen Gründen leider ausfallen.
Zwischen den verschiedenen Einsatzorganisationen in der Gefahrenabwehr variiert das Risiko der Konfrontation mit potenziell traumatisierenden Einsätzen, aber auch das Risiko, durch soziale Konflikte und herausfordernde Aufgaben im Alltag extrem belastet zu werden. Jüngere Studien zeigen eine insgesamt niedrige PTBS-Prävalenz nach extrem beruflichen Belastungen als noch vor 10 Jahren; die Mehrheit der Einsatzkräfte bewältigt demnach auch kritische Einsatzsituationen mit ihren individuellen und sozialen Ressourcen und niedrigschwelligen Einsatznachsorgeangeboten. Es werden Angebote und Strukturen der Einsatzvorbereitung und umfassenden, kurz- und langfristigen Einsatznachsorge vorgestellt. Besonderes Augenmerk legt der Beitrag auf Fragen der Qualitätssicherung in der umfassenden Psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte.
Emotionale Alphabetisierung – Trauma und Journalismus
Vortrag mit Gespräch D3
Samstag, 18.06.2011, 11.30 Uhr
Petra Tabeling, Köln
Dieser Vortrag muss leider ausfallen.
Ob Naturkatastrophen, Kriege, Gewaltverbrechen, Amokläufe oder Unfälle – auch diese Ereignisse gehören zum Alltag des Journalisten. Gemeinsam mit Rettungskräften oder der Polizei sind sie oftmals die ersten am Unglücksort. Doch in der Verarbeitung solcher Ereignisse bleiben Journalisten, Fotografen oder Kameramänner bislang sich selbst überlassen. Und wie finden Medienprofis einen Umgang und eine Sprache für das Erlebte, wenn sie Opfer und Betroffene interviewen ohne sie dabei zu retraumatisieren? Oftmals eine Gradwanderung in einer schnelllebigen Branche, die sich zwischen Rollen, Konkurrenzdruck und Informationsauftrag bewegt.
In dem Vortrag soll aufgezeigt werden, wie Journalisten und verantwortliche Arbeitgeber sensibilisiert werden, und welche Erfahrungen entstanden sind. Was können wir aber auch von anderen Berufsgruppen in Punkto Selbstfürsorge lernen?
Wenn Traumatisches in die Supervision einfällt … Herausforderungen an Supervisorinnen und Supervisoren
Workshop D4
Samstag, 18.06.2011, 11.30 Uhr
Wilfried Lauinger, Düsseldorf
Supervision begleitet Haupt- und Ehrenamtliche bei Tätigkeiten, die potentiell mit traumatischen Situationen verbunden sein können: z.B. Patientensuizide auf einer psychiatrischen Behandlungsstation, Tod durch exzessives äußeres Verbluten im Hospiz, beschämende verbale Übergriffe im Kinderheim. Mitarbeitende werden auch Opfer von Angriffen, die selbst erfahrene, gut ausgebildete Profis aus der Bahn zu werfen drohen: Mobbing, Stalking, Geiselnahme, schwere Körperverletzung, strafrechtliche Ermittlungen u. a. Auch außerberufliche traumatische Biographie-Ereignisse können unvorhersehbar in die supervisorische Szene ‚einfallen’ – im wahrsten Sinne des Wortes. Müssen Supervidierende nun traumatherapeutische Verfahren beherrschen? Was benötigen sie selbst, wenn Traumatisches an Sie herangetragen wird? Der Workshop lädt ein zum Tauschen und Finden von Erfahrungswissen, fachlicher Haltung und methodischen Anregungen.
Wirkung Sekundärer Traumaexposition in der beruflichen Konfrontation mit den Folgen nationalsozialistischer Gewaltherrschaft - Systemische Forschung zu Aspekten sekundärer Traumatisierung in Kontexten der "Erinnerungsarbeit"
Vortrag mit Gespräch D5
Samstag, 18.06.2011, 11.30 Uhr
Renate Jegodtka, Weyhe
Menschen, die sich in ihrem beruflichen Alltag mit den Folgen nationalsozialistischer Gewaltherrschaft auseinandersetzen (z.B. TherapeutInnen, PädagogInnen, Mitarbeiter/innen von Gedenkstätten) werden wiederkehrend mit den Spuren, welche die NS-Verfolgung hinterlassen hat, konfrontiert. Das Engagement für diese Arbeit bedeutet zugleich eine extreme Belastung der MitarbeiterInnen durch wiederkehrende sekundäre Traumaexposition. In dem Vortrag werden Ergebnisse einer Studie vorgestellt, die sich damit auseinandersetzt, unter welchen Bedingungen sekundäre Traumaexposition dazu führt, dass die Bewältigungsmechanismen der KollegInnen überfordert werden, bzw. welches gesund erhaltende Faktoren sein können. Im anschließenden Gespräch sollen auf diesem Hintergrund Möglichkeiten des self-care diskutiert werden.
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